Unsere Arbeit

„Erziehung besteht darin, dem Kind zu helfen, auf der Erde heimisch zu werden, sich einzuleben in seinen Körper, Zeit zu lassen anzukommen und Wurzeln zu schlagen“(1). Dabei müssen wir ihm nichts beibringen; was es braucht, das bringt es mit: Das Kind will sich entwickeln, es hat einen inneren Drang zu wachsen und sich Fähigkeiten und Kenntnisse anzueignen. Es entwickelt sich, wenn körperliches und psychisches Wohlbefinden gewährleistet sind. Körperliches Wohlbefinden setzt Gedeihen und Gesundheit voraus.

Psychisches Wohlbefinden basiert auf dem Erleben von Geborgenheit, Zuwendung, emotionaler Wärme und dem Gefühl des Angenommenseins. Dadurch kräftigen sich die „Wurzeln, mit denen sich Kinder fest im Erdreich verankern und mit denen sie die Nährstoffe aufnehmen“(1). Der wichtigste Nährstoff ist eine sichere emotionale Beziehung zu den Menschen bei denen sie aufwachsen. Die zuverlässige Bindung ist das erste und wichtigste Fundament, auf dem ein Mensch lernen kann auf eigenen Füßen zu stehen, eigene Erfahrungen zu sammeln, und sich auf die Belastungen und Risiken neuer Situationen einzulassen. In seinem Streben nach Autonomie und Unabhängigkeit braucht das Kind den Erwachsenen immer als eine Art Rückversicherung.

Unser Denken ist von dem Verstehen des Anderen und nicht von dem „Ändern-wollen“ geprägt. Wir sind mit Menschen zusammen, die im Grunde „nur“ damit beschäftigt sind zu wachsen, zu reifen, zu lernen und mittels einer individuellen Begleitung und für sie ausgerichteten Umgebung, wie es M. Montessori ausdrückt: „sich selbst zu erschaffen“. Dies ist allen Kindern gemein.

Die Art und Weise, wie Kinder dies tun, d.h.:

  • mit was sie spielen und sich beschäftigen
  • wie viel Zeit sie benötigen
  • welches Material sie sich aussuchen
  • welche Spielpartner sie wählen
  • wieviel und welche Art von unterstützender und fördernder Begleitung sie brauchen

ist sehr unterschiedlich, vielfältig und einzigartig und hängt von ihrer Entwicklungsgeschichte und körperlichen und seelischen Befindlichkeit ab.

„Nur ein Kindergarten für ALLE ist ein normaler Kindergarten“ (Franz Martin)

Unsere Aufgabe ist es, die Hindernisse aus dem Weg zu räumen, welche die Kinder daran hindern könnten ihre Schätze zu entdecken, ihr Handeln in der Welt zu erproben, und durch Wiederholen zu üben. Mit den Worten von Hugo Kükelhaus ausgedrückt: „... es gilt Lebensverhinderung zu verhindern“.(2) Wir müssen ihm eine Umgebung gestalten, die anregend wirkt und schützend zugleich, behütend, damit sich entfalten kann, was wachsen will.

Wir werden den Kindern diese beschützende Umgebung nicht immer geben können. Dass wir uns bemühen zählt - und dass wir uns `mit den Augen des Kindes die Welt erfühlend Fragen stellen, wie: was ist es seinem Wesen nach? Was braucht es, um gesund heranzuwachsen? Wie können wir die kindlichen Prozesse besser verstehen lernen, um dadurch eine für ihre Lebens- und Entwicklungsbedürfnisse geeignete Umgebung und Begleitung ermöglichen?

Mit diesen Fragen im Blickwinkel ist dieses Konzept gewachsen und entwickelt worden. Hinzu kommt, wie können wir den gesetzlichen Auftrag nach §1 Abs1 des Kinder-und Jugendhilfegesetzes (KJHG): „Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“, erfüllen.

Wir schöpfen aus den Gedanken Maria Montessoris, der Arbeit des nicht-direktiven Umgangs nach M. und R. Wild, den Erkenntnissen zur selbständigen Bewegungsentwicklung von Emmi Pikler, der Bewegungsarbeit nach Elfriede Hengstenberg und der Auseinandersetzung mit lern- und entwicklungspsychologischen und neurobiologischen Erkenntnissen.

Diese Webseiten sind ein Auszug aus dem Konzept des Kindergartens. Gerne erhalten Sie ein ausgedrucktes, vollständiges Exemplar von uns!

Literatur:

  1. Gebauer, K./Hüther, G.: Kinder brauchen Wurzeln. Düsseldorf 2002
  2. Kükelhaus, H.: Bildgeschichten vom Träumling. Oldenburg 1993